ZweiMahl: Finalist Spotlight
Interview mit Maximilian Bauer, Gründer von ZweiMahl - ZweiMahl ermöglicht würdevolle Teilhabe an Cafés und Restaurants für alle Menschen: einfach, nahtlos, menschlich.
Erzähl uns von eurer Idee – was, wie, warum?
ZweiMahl schafft würdevolle Teilhabe für Menschen mit wenig oder keinem Einkommen. Die Idee ist einfach: Wer es sich leisten kann, schenkt in einem teilnehmenden Café oder Restaurant eine zweite Mahlzeit oder ein zweites Getränk. Und bei wem das gerade weniger möglich ist, der löst dieses Geschenk würdevoll ein, mit einem einzigen Codewort: „ZweiMahl“. Ohne Nachweis, ohne Rechtfertigung, ohne beschämende Fragen.
Warum es das braucht? Jede sechste Person in Deutschland ist von Armut betroffen. Und Armut isoliert: Menschen meiden Orte, die sie sich nicht leisten können. Das schränkt ihre Freizeit ein und damit auch die Durchmischung unserer Gesellschaft. Genau das wollen wir ändern.
Was hat dich motiviert, dein eigenes Projekt zu starten?
Mir ist soziale Ungleichheit immer stärker aufgefallen. Ich komme selbst aus einem nicht-akademischen Haushalt und kenne das Thema soziale Herkunft aus eigener Erfahrung. Irgendwann habe ich mich gefragt: Wie kann ich möglichst vielen Menschen würdevoll mehr Teilhabe ermöglichen, und zwar im normalen Alltag? So wollte ich meinen Beitrag zu einer nachhaltigen Gesellschaft leisten.
Sehr getroffen hat mich das Buch „Kein Dach über dem Leben“ von Richard Brox. Er beschreibt, dass der größte Hemmfaktor für wohnungslose Menschen oft der Verlust der Würde ist: Viele bleiben lieber auf der Straße, als Hilfe anzunehmen, die nicht auf Augenhöhe passiert. Das hat mich nicht mehr losgelassen. Ich wollte echte Solidarität schaffen und nicht Bedürftigkeit verstärken.
Wie hat deine Impact Journey begonnen?
Angefangen hat alles beim KickStart, dem Gründungswettbewerb der HNE Eberswalde. Dort habe ich die Idee zum ersten Mal eingebracht und konnte sie richtig weiterentwickeln. Im Juni haben wir dann unseren ersten Piloten in einer Eberswalder Bäckerei umgesetzt: 29 geschenkte und eingelöste ZweiMahle. Spätestens da wusste ich, dass die Idee wirklich funktioniert. Menschen schenken gerne, wenn man es ihnen einfach macht.
Worauf freust du dich am meisten, was hat dich bisher am meisten begeistert im Inkubationsprozess?
Tatsächlich die Community. Das Coaching ist total hilfreich und setzt sehr gute Impulse, aber was mich am meisten begeistert: Wir sind eine echte Gemeinschaft. Es fühlt sich weniger nach Wettbewerb an und viel mehr nach Miteinander. Ich freue mich darauf, an der Idee weiterzuarbeiten, dabei im besten Sinne aktiv gepusht zu werden und beim Finale einen schönen Pitch zu machen, um die Idee zu teilen und neue Kooperationen aufzubauen. Vielleicht gewinnen wir ein Preisgeld, vor allem aber wächst unser Netzwerk.
Wenn du alle Ressourcen der Welt hättest, was würdest du in der Welt verändern?
Ich würde soziale Ungleichheit reduzieren und echte Chancengleichheit schaffen. Die Geburtslotterie soll nicht bestimmen, wo wir hingehen können. Ich wünsche mir eine Gesellschaft, die sich auf Augenhöhe begegnet und gemeinsam das Beste für alle möglich macht.
Wenn dein Projekt ein Tier wäre, welches wäre es und warum?
Ein Frosch! Er kann seine Zunge richtig weit ausstrecken und hängt damit den ZweiMahl-Magneten an unsere Tafel. In unseren Partnerbetrieben zeigt nämlich eine Magnettafel, wie viele ZweiMahle gerade geschenkt wurden und darauf warten, eingelöst zu werden.
Was ist deine große Vision? Wo siehst du dein Projekt in 10 Jahren?
Ich sehe ZweiMahl als die Marke für strukturierte Solidarität in Deutschland: ein soziales Franchise in tausenden Cafés und Restaurants, so selbstverständlich wie die Frage „Zum hier Essen oder zum Mitnehmen?“
Was war bisher die größte Herausforderung?
Mitstreiter:innen zu finden. Eine Idee wie ZweiMahl lebt davon, dass man sie nicht alleine macht, sondern gemeinsam. Umso dankbarer bin ich für mein Team: Tom, Melina, Sophie, Sarah und Aaron. Ich habe diese Idee gestartet, aber ohne sie würde sie nicht so umgesetzt werden und könnte nicht so wachsen. Genau das macht den Unterschied.
Was bedeutet Erfolg für dich?
Zu sehen, dass die Idee Menschen wirklich hilft. Und dass sie sich irgendwann selbst tragen kann, sodass sie langfristig geschützt ist und bleibt.
Euer Leitspruch:
Niemand is(s)t allein.